Wichtige Info zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Wichtige Info zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Anfang März wurde bekannt, dass eine Vorlage für den Jugendhilfeausschuss des Kreises Unna vorschlägt, den Zuschuss für eine halbe Stelle bei der Ev. Jugend Holzwickede und Opherdicke zu streichen. Eine solche Kürzung hätte deutliche Auswirkungen auf die Arbeit vor Ort: Viele Angebote könnten nicht mehr in ihrer bisherigen Form stattfinden und wir könnten junge Menschen nicht mehr so umfassend begleiten wie bisher.
Auch Arbeitsplätze hängen an dieser Finanzierung. Eine solche Kürzung würde somit nicht nur die Angebote, sondern auch die Menschen betreffen, die tagtäglich dafür arbeiten, dass Kinder und Jugendliche einen sicheren, unterstützenden und offenen Raum haben.
Deshalb waren wir gemeinsam mit 30 jungen Menschen der Ev. Jugend am 11. März beim Jugendhilfeausschuss, um durch unsere Anwesenheit ein klares Zeichen für starke Jugendarbeit zu setzen.
Die Entscheidung wurde zunächst auf Juni vertagt. Diese Zeit wollen wir nutzen, um weiterhin mit Politik und Verwaltung ins Gespräch zu gehen und deutlich zu machen, wie wichtig Offene Kinder- und Jugendarbeit als verlässlicher Anlaufpunkt für junge Menschen ist.
Übrigens: Wir finden es gut, dass bei der Ev. Jugend in Bönen eine halbe Stelle neu bezuschusst werden soll. Den Bedarf dort sehen wir und freuen uns über diese Unterstützung.
Gleichzeitig darf eine Verbesserung an einem Standort nicht zulasten anderer Kinder- und Jugendeinrichtungen gehen. Gute Kinder- und Jugendarbeit braucht ausreichende Unterstützung an allen Standorten.
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Update Anfang Mai 2026:
Mittlerweile gab es viele Gespräche zwischen den freien Trägern der Jugendhilfe und einzelnen Fraktionen, Einzelpersonen sowie dem Jugendamt. Wir machen uns weiterhin stark für eine gut aufgestellte und im bewährten und benötigten Umfang gesicherte Kinder- und Jugendarbeit in Holzwickede. Auch die Presse hat bereits an der einen und anderen Stelle über die Thematik berichtet und wir freuen uns auch, über Leserbriefe zu dem Thema, die beim Hellweger Anzeiger eingehen. Infos zu den Presseberichten findet ihr in unserem Story-Highlight auf unserem öffentlich einsehbaren Instagram-Kanal oder gesammelt am Ende dieses Artikels.
Im Beschlussvorschlag für den neuen Kinder- und Jugendförderplan wird im Haushalt des Kreises eine Umverteilung der halben Stelle von Holzwickede nach Bönen beschrieben. Von einer Umverteilung können wir aus Sicht der Kinder- und Jugendarbeit in Holzwickede allerdings nicht sprechen. Für uns ist es ein Stellenabbau, der einen massiven Einschnitt für unsere Kinder- und Jugendarbeit mit allen Angeboten darstellt!
Was bei der aktuellen Debatte leicht aus dem Blick gerät, sind die Menschen, um die es hier eigentlich geht: die Kinder und Jugendlichen in Holzwickede. Für sie ist die Offene Kinder- und Jugendarbeit viel mehr als ein Freizeitangebot. Sie ist ein Ort, an dem sie gesehen werden, an dem sie sein dürfen, wie sie sind und an dem sie jemanden finden, der zuhört – auch dann, wenn es sonst schwierig ist.
Sollte es zu einem Stellenabbau in Holzwickede kommen, so werden wir gewohnte Angebote der Offenen Tür, von Kindergruppen, Aktionen und Veranstaltungen nicht wie bisher leisten können. Auch Kooperationen sowie die Netzwerkarbeit mit anderen Einrichtungen, Vereinen und Verbänden der Kinder- und Jugendarbeit in Holzwickede werden wir nicht wie gewohnt in der Arbeit unterstützen können.
Vor allem aber wird es schwierig, verlässliche Öffnungszeiten und Ansprechbarkeit gewährleisten zu können. Die Arbeit in den letzten Jahren hat gezeigt, dass 1,5 Stellen eine Mindestbesetzung für gute Qualitätsstandards in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sind. Durch 1,5 refinanzierte Stellen und dadurch zwei hauptamtliche Personen können verlässliche Öffnungszeiten (durch Vertretung bei Urlaub, Krankheit, etc.) gewährleistet werden und es sind stets Fachkräfte für die kleinen und großen Sorgen unserer Besucher*innen da.
Die derzeitige Diskussion um die Finanzierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Holzwickede darf nicht auf eine rein rechnerische Umverteilung reduziert werden. Ein genauer Blick auf die bestehende Stellenstruktur zeigt, dass es sich bei dem geplanten Schritt faktisch um einen Stellenabbau handelt – mit erheblichen fachlichen und strukturellen Konsequenzen, hier wird deutlich, warum eine Kürzung um eine halbe Stelle nicht einfach „aufgefangen“ werden kann: Aktuell sind 1,5 Stellen über den Kreis Unna refinanziert (39 Stunden plus 19,5 Stunden). Zusätzlich hatte die Ev. Kirchengemeinde Holzwickede und Opherdicke 2022 die Stellenanteile um 5,5 Stunden aufgestockt, um die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit – insbesondere die Konfi-Arbeit – pädagogisch begleiten zu können und um bewusst eine Brücke zur offenen Kinder- und Jugendarbeit zu schlagen. Diese Struktur ermöglicht eine sinnvolle Verzahnung von offener und kirchlicher Jugendarbeit und stellt eine kontinuierliche pädagogische Begleitung sicher. Eine Reduzierung um eine halbe Stelle lässt sich in dieser Struktur nicht sinnvoll umsetzen, ohne die gesamte Arbeit massiv zu beeinträchtigen.
Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist die Beziehungsarbeit. Verlässliche Bezugspersonen, Zeit für Gespräche und kontinuierliche Begleitung sind die Grundlage dafür, dass Kinder und Jugendliche Vertrauen fassen und sich öffnen. Beziehungen entstehen nicht nebenbei und lassen sich nicht einfach kürzen. Ein Stellenabbau würde bedeuten, dass genau diese Beziehungsarbeit leidet: weniger Zeit für Gespräche, weniger Begleitung in schwierigen Lebenslagen, weniger Stabilität für die Kinder und Jugendlichen, die besonders darauf angewiesen sind.
Dabei darf nicht vergessen werden: Hinter jeder Stelle stehen Menschen. Menschen, die mit Engagement, Fachlichkeit und Herzblut arbeiten und für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene da sind. Menschen, die Kinder trösten, Jugendliche beraten, Konflikte auffangen und Räume eröffnen. Ein Stellenabbau trifft nicht nur ein Angebot oder abstrakte Zahlen, sondern ganz konkret die Personen, die diese wichtige Arbeit leisten – und die jungen Menschen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind.
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit bietet zudem einen wichtigen Gegenpol und Ausgleich zu Schule und Familie. Sie steht allen Kindern und Jugendlichen offen und bietet einen Raum, in dem junge Menschen sich ausprobieren und entfalten können. Hier geht es nicht um Leistung, Noten oder Erwartungen, sondern um freiwillige Begegnung, Mitbestimmung und Vertrauen. Gerade in einer Zeit zunehmender Anforderungen und Belastungen ist dieser Raum wichtiger denn je.
Nicht zuletzt bringt die aktuelle Aufteilung der Stellen auf eine männliche und eine weibliche Fachkraft einen großen Mehrwert für die Arbeit. Kinder und Jugendliche haben unterschiedliche Bedürfnisse und Anliegen – und nicht jede Sorge oder Angst lässt sich gleichermaßen mit jeder Person besprechen. Die Möglichkeit, sich je nach Thema und persönlichem Empfinden an unterschiedliche Ansprechpersonen wenden zu können, stärkt Vertrauen und Zugänglichkeit.
All diese Aspekte zeigen deutlich: Die derzeitige Personalausstattung ist keine Komfortlösung, sondern das notwendige Fundament für eine qualitativ gute, verlässliche und wirksame Offene Kinder- und Jugendarbeit der Ev. Jugend Holzwickede und Opherdicke. Eine Kürzung würde diese Arbeit nachhaltig schwächen – mit spürbaren Folgen für Kinder, Jugendliche und das gesamte Gemeinwesen.
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Weitere Informationen sowie Veröffentlichungen zum Thema gibt es hier: